
Ablagerungen von Schalen und Gehäusen Milliarden kleinster Lebewesen, wie Coccolithophoriden, Foraminiferen und Moostierchen, führten vor 60 – 70 Millionen Jahren zur Entstehung einer dicken Kreideschicht. Diese wurde durch Verschiebungen von Eiszeitmuränen aufgeschoben und ließ so die Insel Rügen mit ihren bizarren Kreideklippen entstehen. Die Gäste kommen von weit her, um die Kreideküste zu bewundern und um das wohlige Gefühl eines Kreidebades oder einer Kreidepackung zu genießen. Abgebaut wird die Kreide natürlich nicht am Königsstuhl, dem Wahrzeichen der Insel, sondern im Zentrum der Halbinsel Jasmund. Aber von der Rohkreide zur Heilkreide, die unter regelmäßigen Qualitätskontrollen im Kreidewerk Klementelvitz hergestellt wird, ist es dann noch ein langer Weg. In der Nähe des Kreidewerkes, am kleinen Königsstuhl in Neddesitz, können Urlauber den Kreide- und Naturlehrpfad und das erste und einzige Kreidemuseum besuchen. (www.kreidemuseum.de)
Heilkreide wurde bereits ab 1910 im Ostseebad Sassnitz erfolgreich eingesetzt. Im Jahr 1932 lieferte Prof. Dr. Payer vom Chemisch-Physikalischen Universitäts-Institut in Breslau die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen der Rügener Heilkreide. Im Rügenschen Kreiskrankenhaus kam Dr. Seiffert zur Erkenntnis: “...in 90 % der Fälle sind die Erfolge mit Rügener Heilkreide mehr als gut ...“ und der Sassnitzer Chefarzt Dr. Friedrich Karl Wünn bescheinigte schon seinerzeit bei 97% seiner Patienten “... eine günstige Beeinflussung ...“.Gegen Ende der 60er Jahre gingen die Behandlungen mit der Heilkreide deutlich zurück und wurden eingestellt. Die moderne, schnelle Medizin hielt Einzug.
Dem Engagement der Politikerin und Insulanerin Gesine Skrzepski, ist es unter anderem zu verdanken, dass Kreide und Kreideanwendungen mit den Erkenntnissen von damals und den Erfahrungen von heute wieder zu einem touristischen Konzept wurden.